Dienstag, 21. Juni 2016

Die Hose gestrichen voll

Schimmel im Schlafzimmer ist ja auch ein Geschenk der besonderen Sorte. Also jetzt nicht der Vierbeiner, den man ja besungenermaßen gern auf dem Flur trifft. Der andere Schimmel. Der, der so schöne, schwarze Schattierungen an Wände und Decken wirft. Da fühlt man sich doch nach Begreifen, was man da gerade entdeckt hat, sofort voller Schimmelmetastasen in sämtlichen Atemwegen. So geschehen vor ein paar Wochen. Der Hauswirt muss in solchen Fällen Abhilfe schaffen, was er auch tut. Er schickt Superpole.

Sie erinnern sich? Superpole ist der gute Geist des Hauses mit Talent für große und kleine Umbauten, schräg hängende Herdplatten, Dichtungen in Fenstern und Türen, nicht funktionierende Steckdosen, schmorende Kabel in abgeschlossenen Räumen und so weiter.  Ein sehr angenehmer Zeitgenosse, den einfach jeder mag und der sich nebenbei erwähnt, von unserem Vermieter, dem alten Halsabschneider, -das muss an dieser Stelle auch einfach mal so gesagt werden- gnadenlos ausnutzen lässt.
 
Inzwischen war Superpole schon diverse Male da und hat mit schimmelbekämpfender Farbe zwischen Kleiderschrank und befallener Wand gewirkt. Der Spalt zwischen Wand und Schrank ist nicht besonders breit, aber es passt mühelos eine Farbrolle dazwischen, ohne gleichzeitig Wand und Schrank mit Farbe zu tünchen, oder sich gar die Finger zu klemmen. Aus belüftungstechnischen Gründen, so sagt man, sollte man einen Schrank sowieso nicht direkt an eine Wand kuscheln. Aber weiter im Text.

Nachdem der arme Mann kurz nach Feierabend und kurz bevor er noch zu zwei anderen Baustellen gejagt wird, ein letztes Stelldichein mit Wand und Farbrolle hatte, begleite ich ihn zur Tür, bedanke mich artig, bedaure ihn für seine noch anstehenden Termine zur Schlafenszeit, rate ihm, besser auf sich aufzupassen, er würde sonst bald umfallen, wünsche einen schönen Abend und kehre zurück zu meinem Buch ("Der Pfau" von Isabel Bogdan)

Ein paar gelesene Seiten später muss ich doch mal nachsehen, ob denn jetzt endlich alles hübsch ist. Diesmal riecht die Farbe anders, scheint aber farblich besser zum Rest des Schlafzimmers zu passen. Ich sehe in den Spalt und wundere mich, was da hinten an der Wand für ein komischer Zipfel hängt. Klebt ein Stück Farbrolle am Schrank? Bevor ich mir diese Frage zu Ende stellen kann, fällt auch schon der Groschen. Ich reiße hektisch die Schranktür auf, greife bis zur Rückwand durch, ziehe eine meiner Hosen heraus, auf der am Bund und an den Hosenträgern prächtige weiße Farbmale prangen und sinke ungläubig aufs Bett. Jetzt hab ich doch mal die Hose gestrichen voll.


Erklärenderweise muss ich dazu sagen, dass der Schlafzimmerschrank bereits gefühlte drei Millionen Mal auf- und wieder abgebaut wurde und dass die Rückwand inzwischen aussieht, als hätte sich jemand erfolglos mit Blindenschrift versucht. So ist sie derzeitig nur noch hilfsweise mit ein paar Nägeln am Rest des Schrankes befestigt, einfach aus dem Grund, weil wirklich kein Platz mehr für neue Nägel und ihre Löcher ist. Und wenn man da mit Schwung einen Koffer unter die Hosen ... Ja, da kann das schon mal passieren, dass die Rückwand sich biegt. Damit, dass Hosen die Gelegenheit zu einem Fluchtversuch nutzen, rechnet man eher nicht. Bis jetzt jedenfalls. 

Foto: Ichnicht  (Liegt kiechernd rücklings in seinem Panzer und schaukelt. NICHT WITZIG!)   

Freitag, 10. Juni 2016

Heimat, Digga!


Hier schreibt Flummi mit einem Freund, beide dreizehn Jahre jung. Dieser Text wurde bei einem Schreibwettbewerb eingereicht. Die Geschichte hat zwar nicht gewonnen, ist aber unter den fünfzehn besten Schreibversuchen der Altersklasse U14 auf einer "Longlist" gelandet, was bedeutet sie wird in absehbarer Zeit in einem Buch veröffentlicht. Einen kleinen Preis gab es auch. 

Aber lesen Sie selbst. 

Heimat?
Was ist das?! 

„Heimat? Was ist das?!“, fragte sich der elfjährige Jonny Jones jeden Tag.
Er lebte mit seiner todkranken Tante in einem Unterschlupf aus Kisten und Planen, den sie gebaut hatten. Dieser befand sich zwischen einem Wald und der angrenzenden Mülldeponie, von der er Sachen holte, um sich das harte Leben etwas leichter zu gestalten.

Wie er hieß und wann er geboren wurde, wusste er von Cheyenne, also seiner Tante. Was aber aus seinen Eltern geworden war und wie sie in diese aussichtslose Lage gekommen waren, konnte oder wollte ihm seine Tante nicht sagen.

Um sich versorgen zu können, ging er am Bahnhof in Austin, Texas betteln. Gegenüber anderen Bettlern hatte er einen Vorteil, da er noch ein Kind war. Vor den Polizisten hatte er aber Angst, weil Bettler nicht gerne gesehen wurden.

An guten Tagen beim Betteln, machte er dreißig Dollar, an schlechten wiederum nur drei oder an ganz schlechten sogar gar nichts. An sehr guten Tagen holte er sich sogar ein Stück Fleisch, das er sich an der selbst hergerichteten Feuerstelle, mit Hilfe von einer Pfanne, Streichhölzern, Brettern und Ästen, die er fand, briet. Viel sparte er auch für Medikamente,  die seiner Tante helfen sollten.

Auf dem Weg zurück lief er an einer Gang, die sich die „COOL-KIDS“ nannten, vorbei. Diese machten ihn immer traurig, da er auch so ein normales und weitestgehend sorgloses Leben wie sie führen wollte.

Nachts konnte Jonny immer nicht schlafen, da die Nächte gespenstisch auf ihn wirkten, und dies besonders im Winter. Die Sonnenauf- b.z.w. -untergänge über dem Wald bei wolkenlosem oder nur leicht bewölktem Himmel dagegen, waren malerisch  schön. Doch dies interessierte ihn nicht wirklich und der Winter stand vor der Tür.

Im Winter saß Jonny Jones häufig erkältet vor dem Bahnhof.
Und so passierte es einen schicksalhaften Tages, dass ein reicher Mann namens Mathiew Petterson mit seinem Spitz Coockie den durchgefrorenen Jonny sah und Mitleid fühlte. Er gab dem Jungen fünfzig Dollar und sagte zu ihm: „Hier mein Junge, kauf dir etwas Schönes.“
Jonny war so verwirrt, dass er nur ein: „Danke, … Sir … “, über die Lippen brachte.
Drei Tage später, als Jonny Jones wieder fiebrig vor dem Bahnhof saß, gab ihm Herr Petterson mit den gleichen Worten 50 Dollar. Diesmal konnte Jonny auch: „Haben Sie vielen Dank Sir, wie kann ich Ihnen nur jemals danken?“, sagen.
„Mit gar nichts außer Worten. Das reicht mir.“, antwortete Herr Petterson.

So ging das bis zum 3. März 1993, als Mathiew Petterson zu ihm sagte: „Meiner Frau Angela habe ich neulich, als sie in meine Geldbörse geguckt hat, von dir erzählt  und wir haben uns über dich unterhalten. Jetzt wollte ich dich fragen … wie heißt du überhaupt?“
„Jonny, ich heiße Jonny Jones.“
„Ok, Jonny, ich wollte dich fragen, wärst du damit einverstanden wenn wir dich adoptieren?“

Jonny antwortete verwirrt: „Oh … ähh … ja, gerne … Ich habe nur eine schwerkranke Tante … und ohne die möchte ich auf keinen Fall gehen.“
„Für deine Tante, werden wir sicherlich auch einen Platz in unserer Villa finden. Komm mit zum Auto!“ Coockie bellte.

Fast alles war von da an anders. Sie waren beim Standesamt und Jonny war jetzt offiziell ein Familienmitglied der Pettersons. Seine Tante war bei Dr. Lightbridge, der sie in sechs Wochen wieder auf die Beine gekriegt hatte, in Behandlung. Durch ihn wollte Jonny Arzt werden. Er bekam privat Unterricht, den er erst ganz gut, aber dann immer langweiliger fand. Der jetzt namentlich Jonny Petterson fand schnell Freunde. Doch sein bester Freund war der Butler Michael, weil er mit ihm einfach alles machen konnte. Sein Lieblingsgetränk war Zitronenlimo, von der er aber nur Dienstag, Donnerstag und einmal am Wochenende, ein 0,3l-Glas trinken durfte, weil Frau Petterson meinte, dass sie ungesund sei. Sein Lieblingsgericht war Spaghetti Bolognese, von der er nie genug bekam.

Am 30.09. hatte Jonny seinen Geburtstag. Es war ein wunderschöner Tag, vielleicht sogar der beste, den er je erlebt hat. Alle seine Freunde kamen und er bekam viele Geschenke. Doch das zahlreiche erscheinen seiner Freunde machte ihn viel glücklicher als die Geschenke. Er und seine Freunde lachten, tranken so viel Limo wie sie konnten und spielten anschließend draußen im Garten. Zum Abendessen, gab es - na klar! - Spaghetti Bolognese. Alles war perfekt und Jonny hätte wirklich nicht glücklicher sein können, doch auch die schönsten Tage müssen irgendwann zu Ende sein.

Jonny dachte viel an seine Eltern, wie sie wohl hießen, wie sie aussahen, wo sie waren, warum er sie denn eigentlich so gut wie gar nicht kannte und ob sie vielleicht sogar tot waren.

Als er 16 war, war er längst allen davon gewachsen, doch immer noch fast so schmal, wie er es als Obdachloser war. Außerdem war er sehr schlau und klug geworden.

Jetzt setzte sich seine Tante auch endlich zu ihm auf die Couch und sagte: „Ich glaube, ich muss dir jetzt endlich erzählen was mit deinen Eltern passiert ist. Also dein Vater hatte eine Firma, die erst ganz gut lief, doch dann in den finanziellen Abgrund stürzte. Warum, kann ich dir nicht sagen. Er musste Insolvenz anmelden und er selbst war finanziell und körperlich auch am Ende. Also baten sie mich, du warst drei Monate alt, für ein paar Wochen auf dich aufzupassen. Das taten sie, weil sie nicht wussten dass ich selbst auch sehr hoch verschuldet war, da ich es niemandem gesagt hatte. Aber ich sagte trotzdem ja, doch sie kamen nicht zurück und warum sie das nie taten kann ich auch nicht sagen.  Als ich dann krank wurde, wurde ich für arbeitsunfähig erklärt und das was ich an Geld bekam, reichte nicht mehr und ich verlor mein Haus. Ich wusste nicht mehr wohin und, tja, an den Rest dürftest du dich ja erinnern.“

Dies war der größte Schock, den Jonny je erlebt hatte. Er war so geschockt, dass er nicht einmal mehr mitbekam, dass seine Tante Cheyenne danach noch sagte, dass sie einen Job für sich gefunden hatte.

Jonny lebte noch drei Jahre bei den Pettersons. Er machte tatsächlich eine Ausbildung zum Arzt und arbeitete in einem Krankenhaus in der Nähe von den Pettersons. Er hatte eine Wohnung und mit finanziellen Problemen machte er keine Bekanntschaft. Er wurde schnell zum Chefarzt befördert und bekam ein Angebot aus Hamburg. Dort arbeitet und lebt der jetzt 26 jährige Jonny Jones b.z.w. Petterson mit seiner Frau Annette und seinem Sohn James heute. Er besucht die Pettersons mit ihrem Butler Michael und dem nun schon alten Spitz Coockie und auch seine Tante die, nun wieder eine eigene Wohnung hat, immer wenn es gerade möglich ist.

Jetzt weiß Jonny endlich was Heimat ist und vor allem was seine Heimat ist. Auch wenn er seine Eltern noch nicht gefunden hat und es vieleicht auch nicht wird, aber alles versucht um sie kennen zu lernen, ist er ein sehr glücklicher Mann, mit fast allem was er sich je gewünscht hat.     


Foto: Ichnicht (sieht fast so aus, als wäre er ein wenig neidisch)

Freitag, 27. Mai 2016

Großstadt-Safari mit ganz viel Gekuschel

Wenn die Murmel safariert und  Ichnicht in seinem Element ist :



Manch einer kann ja nix für seine Frisur.

... oder seinen Umfang. Diese Meersau dient derzeitig als Wohnung für viele kleine.
 










Küff miff!

Na gut.

Dreh dich langsam um und guck blöd!
Quittiert.


Isch hab disch gern!








Hier schlummert übrigens einer der Nasenbären. Hätten Sie´s gewusst?
Dreh dich laaangsam ...

Dreh dich ... !

Dreht euch langsam um und guckt blöd!

Mama, guck mal! Spaghettihaufen!



Dreh dich langsam um ... Nochmal!
... und guck blöd! Geht doch.
Vorsicht, das ist nicht nur ein Guck- sondern auch ein Spucktier.



Als wir dann Eisi und Tiger trafen, waren wir uns einig: Die sehen ganz schön unglücklich aus.
Zum Trost meinte meine Murmel: "Zirkus ist aber noch viel schlimmer." Recht hat sie.

Tante Uschi und Onkel Adalbert

Und zum Schluss blieben wir notgedrungen mit Ichnicht bei seinen Verwandten kleben. Er konnte sich nicht trennen und ist zu einem Langzeitbesuch bei ihnen eingezogen. Zumindest solange Amorina in Abschiebehaft sitzt. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Fotos: Ichnicht (alle weiteren 1598 Bilder seiner Verwandtschaft erspar ich dem Rest der Welt lieber, es würde ausufern)